Pressestimmen


Am 16.11.15 in der Schwäbischen Zeitung, Laupheim

Letzte Bastion Familie
Theater Katafalk spielt das Stück "Hase Hase" mit großer Leidenschaft


Von Franz Liesch

LAUPHEIM Mit einer gewissen Beklommenheit ist man zu diesem Theaterabend der Aufführung von "Hase Hase" des Theaters Katafalk aus Tübingen in der Aula des Carl-Laemmle-Gymnasiums gegangen. Dieses Gefühl löste sich auch nicht ganz auf, obgleich das Stück vermag, Heiterkeit zu verbreiten.

Noch zwei Tage zuvor hätte sich diese Beklommenheit nicht eingeschlichen. Doch die Komödie handelt in Frankreich. Die Autorin ist Coline Serreau, geboren in Paris, Schriftstellerin, Filmemacherin und Schauspielerin. Doch nicht nur deshalb haben die Zuschauer die Vorgänge 24 Stunden zuvor bis in die Aula verfolgt, sondern auch wegen der mehrfachen Explosionen, der Schnellfeuerwaffen und der Frage nach dem Sinn von Bomben. Und das vor dem Hintergrund des quirligen Pariser Lebens und eines Nachrichtensprechers, der die Botschaft verbreitet:"Alles geht gut."

Wer die Frage nach dem Sinn von Bomben stellt, ist Hase Hase. Er ist von einem anderen Gestirn gesandt und der Familie Hase sozusagen eingepflanzt worden. Er kam mit Hasenzähnen auf die Welt und Mama Hase verpasste ihm den Vornamen "Hase". Anja Vigenschow verkörpert diesen Hase Hase, Benjamin der Familie. In ihrer Quirligkeit erinnert die Figur ein wenig an Sams in den Büchern von Paul Maar. Man schließt diese Gestalt gerne ins Herz. Hase Hase hat einen Auftrag: Er soll erkunden, ob die Menschheit zu retten ist.

Alles dreht sich um Mama Hase

Die Person, um die sich in der Komödie alles dreht, ist Mama Hase. Gespielt wird sie von Waltraud Balmer. Sie ist so gekonnt auf alt getrimmt, dass man tatsächlich nicht wagt, ihr Alter zu schätzen. Sie ist, wie es oft ist im wirklichen Leben, das Herz der Familie. Ohne sie geht gar nix, Leere verbreitet sich. Kommt sie nach Hause, beginnt in der kleinen Pariser Wohnung das Leben. Und doch: Die Last der Verantwortung liegt schwer auf ihren Schultern, sie muss immer funktionieren. Sie bittet, an das Publikum gerichtet, eine Träne für sie zu vergießen. Sie lebt die Harmonie, ist stolz auf ihre Kinder und freut sich, dass alle gut versorgt sind. Doch die heile Welt von Mama Hase kippt. Kein Stein bleibt über dem anderen. Am Ende suchen alle Kinder, wie die Küken unter der Klucke, die Wärme von Hotel Mama.

Der Wohlstand der Familie scheint gesichert, weil doch der Älteste Medizin studiert und später einmal gutes Geld nach Hause bringt. Es bereitet Didier Schniegel offenbar viel Freude, in diese Rolle zu schlüpfen. Schniegel unterrichtet am CLG. Er enttäuscht als Bébert Mama Hase genauso wie Sohn Jeannot (Axel Kösters), den sie auf einem sicheren Beamtenposten glaubt. Er schmuggelt für einen bevorstehenden Aufstand Waffen, wie sein älterer Bruder und wird von der Polizei gesucht. Zuflucht sucht und findet er bei Mama Hase: "Wenn wir schon in der Scheiße stecken, dann wenigstens hier, hier ist es warm und man ist unter Verwandten."

Papa Hase bringt scheinbar nichts aus der Ruhe (Benn Kobler). Er fällt als Ernährer weitgehend aus, denn er verliert seinen Job. Was die Mama Hase völlig fertig macht, sind die Töchter. Die eine hat sich von ihrem Gatten getrennt. Mama will den Grund wissen: "Was hat er denn gesagt?", Antwort der Tochter: "Reich mir das Salz!", Mutter: "Mehr nicht?" - "Nein". Die zweite Tochter verweigert vor dem Standesbeamten das Ja-Wort. Sie alle kommen zurück und breiten ihre Matratzen aus. Doch nicht nur sie, sondern auch die schrullige Nachbarin Madame Duperri (Gabriele Stillings) und der Beinahe-Gatte.

Zuversicht macht sich breit

Hase Hase wird zurückgerufen auf seinen Stern. Er wehrt sich. Doch er kommt wieder zurück zu den Seinen wie ein Deus ex machina, mit der Maschinenpistole und hilft bei der Befreiung seines Bruders Bébert. Hase Hase darf bei seiner Familie ("Mann, seid ihr süß") bleiben. Die Menschheit ist nicht verloren, solange es den Halt der Familie gibt. Am Schluss macht sich Zuversicht breit. Das Ensemble Katafalk wirkt nicht wie ein Laienspielschar. Es ist versiert, textsicher und spielt mit großer Leidenschaft. Das Publikum lohnt mit langem Beifall.