Pressestimmen


Am 12. Mai 1998 im "Schwäbischen Tagblatt"

Schielen auf Arturs Familie
Theater Katafalk spielte in Rottenburg und Reutlingen Mrozeks "Tango"



...die Parallelen sind ohnedies offenkundig: Alt-68er, im weiteren Sinne also die heutige Gesellschaft und einer ihrer Sprösslinge. Auch für die gilt eben gelegentlich: "Wir sind die Leute, vor denen uns unsere Eltern immer gewarnt haben."

Das Schöne an dieser Inszenierung ist, dass dieser Bezug nicht vereindeutigt wird. Es bleibt ein zeitloser, eigengrotesker Kunstraum, der aber --- in Wort und Kostüm --- Insignien verschiedener Welten enthält...

Aus dem Ensemble müssen vor allem Benn Kobler als trotteliger, opportunistischer Onkel Eugen, Axel Kösters als pantoffeliger Stomil und Hans Rommel als Edek genannt werden. Wie Letzterer seinen lauernden Primitivo-Charme in eisige Brutalität kippt, ist höchst bewundernswert. Was in dieser ansehnlichen Inszenierung aber wirklich in seinen Bann zieht, ist Rudolf Renners bleicher Artur, wie er zwischen tonlos verstörten Sätzen und überschnappenden Kaskaden präzise umherirrt, und doch zwischendrin immer wieder mal wie der einzig Normale der ganzen Personage erscheint. Ein vielschichtiger Charakter, aus einem Guss gespielt. Solche Figuren sieht man sogar auf Profi-Bühnen selten. Auch in der Rottenburger "Zehntscheuer" am Samstag und im Reutlinger "Haus der Jugend" ging der Tango am Sonntag ... gut besucht und beklatscht über die Bühne. ... Was "Katafalk", eine Gruppe theaterbegeisterter Amateure und Spielleiter aus der Region, da auf die Bretter gestellt hat, erwies sich nämlich als überraschend aktuell.