Pressestimmen


Am 14.10.2003 in der Südwest-Presse

Die Wainer "Lindenstraße"


... Zum Zwischenspiel treffen sich die Akteure, alles mehr oder minder gescheiterte Existenzen, regelmäßig in der Kneipe... Und Jekko (Axel Kösters) serviert mit Baskenmütze den Ouzo. Die neugierige Hausmeisterin ... lässt Regisseur Bernd Köhler als moderne Kassandra (sehr intensiv: Traudel Gerstlauer) durch das Gebäude irrlichtern und ihre schrecklichen Prophezeiungen aussprechen. Der Arzt aus dem ersten Stock (Hans Rommel) hat eine drogensüchtige Tochter (Bärbel Schwerdt), für die er den Studenten Berthold (Rudolf Renner) als personifiziertes Rehabilitationsprogramm ausguckt.

Aber in erster Linie geht es in Reinshagens Drama und Köhlers Inszenierung natürlich um die Rächerin der antiken Mythologie, der verlassenen Medea, die schließlich ihren beiden Kindern den Gashahn aufdreht. Gabriele Stillings spielt diese verzweifelte Janna, die zwischen Mitleid, Hinwendung, Anspruch auf Glück und Selbstverwirklichung zerbricht, glaubhaft und lässt sie außerdem als eine Art moderne Johanna von Orleans erscheinen. Der Jason der Moderne heißt bei Gerlind Reinshagen Wolf, ist arbeitslos und desillusioniert. Benn Kobler spielt diese zwischen triefendem Selbstmitleid und Männlichkeitspose schwankende Spezies Mann grandios, mit praller Körperlichkeit. Seine Dialoge mit Janna und Berthold, seinem potentiellen Nachfolger, gehören zu den Höhepunkten des Stückes. Denn gerade Rudolf Renner verfügt über ähnliche Präsenz und Sprachgewalt wie Kobler ...

Gewiss ein harter Brocken, den das Publikum in Schäfers Kulturstadel da serviert bekam, zumal die Reinshagen-Texte doch rech kryptisch und mehrdeutig sind. Doch den tollen schauspielerischen Leistungen aller Akteure (in den weiteren Rollen: Gertrud Hermle-Magg und Margret Greiner) zollte das Wainer Publikum uneingeschränkt Anerkennung.



Am 13.10.2003 in der Schwäbischen Zeitung

Tragödie im Mietshaus


Mit einer altgriechischen Tragödie nach "Medeia" von Euripides überraschte die ... Theatergruppe "Katafalk" am Samstagabend die Gäste von Schäfers Kulturstadel.

... Janna und Wolf leben sich auseinander, weil sie Arbeit und Erfolg hat und sie sich nicht in die Hausfrauenrolle fügt, während er sich arbeitslos im Unterhemd am Küchentisch gehen lässt, denn "erst der Mensch ohne Arbeit ist wirklich Mensch – Mensch pur sozusagen".

In dem Mietshaus mit der grünen Tür läuft vieles aus dem Ruder der bürgerlichen Ordnung. Wolf versucht es noch einmal mit Paula, seiner früheren Geliebten. Janna entdeckt ihr Herz für Berthold, den Studenten im Dachgeschoss. Den hat der Arzt aber schon als Lebensretter und Lebenspartner für seine drogensüchtige Tochter Esther eingekauft...

Sparsam war das Bühnenbild bei dieser Inszenierung und die kurzen Akte waren auf das Wesentliche reduziert. Die neun Akteure vom Theater "Katafalk" um Regisseur Bernd Köhler stellten mit ihrem Stück hohe Ansprüche an die Kenntnisse der Zuschauer, die zuletzt mit langem, verdientem Applaus ihre Leistungen honorierten.