Das Stück

Die grüne Tür oder Medea bleibt

Janna liebt Wolf. Aber Wolf liebt Janna nicht mehr. Vielleicht, weil sie Arbeit und Erfolg hat und sich trotz der Kinder nicht ins Hausmütterchen-Abseits drängen lässt, während er arbeitslos herumhängt. Änne, eine der Mythologie entsprungene Kassandra, unkt, dass diese Ehe nicht gutgeht. In dem Mietshaus mit der grünen Tür läuft vieles aus dem Ruder der bürgerlichen Ordnung, und alle Beziehungskisten landen im Elend. Wolf versucht es noch einmal mit Paula, der früheren Geliebten. Janna entdeckt ihr Herz für Berthold, den Studenten im Dachgeschoss. Den hat der Arzt aber schon als Lebensretter für seine drogensüchtige Tochter Esther ausgeguckt. Nur Heine und Jekko, die nicht mehr scheitern können, weil sie längst gescheitert sind, leben mit der Souveränität derer, die nichts mehr anfechten kann.

Die dramatischen Figuren leben zusammen, wissen alles voneinander, treffen mit der Zielsicherheit von Menschen, die sich meiden möchten, im Treppenhaus oder am Tresen in der Kneipe "Zum Südstern" aufeinander. Mit fortschreitender Handlung verlieren sie ihren Glauben an die Liebe und erstarren zu Monumenten ihrer enttäuschten Hoffnungen oder ihrer hohlen Begierden. Die Handlung nähert sich der griechischen Tragödie, und Heine und Jekko beschwören als Chor den Untergang der verlorenen Seelen.

Reinshagens Stück spielt mit der griechischen Mythologie, entfaltet dabei ein eigenes Szenario, das zwischen Komik und Tragik changiert, bündelt im Mikrokosmos eines Mietshauses die Sehnsüchte, Ängste und Obsessionen von Menschen, die im Anderen ihr Eigenes suchen, sich aber letztlich immer verfehlen.

Margret Greiner