Pressestimmen


Am 21. 6. 2007 in der "Schwäbischen Zeitung"

"King Kongs Töchter" wüten im Altenheim


... Das Stück handelt vom trostlosen Dasein alter Menschen im Seniorenheim und von ihren Pflegerinnen. Trotz aller Groteske ist die Inszenierung erschreckend realitätsnah und bereitet dem Zuschauer mitunter zwiespältige Gefühle. Und doch konnte das Laupheimer Publikum herzhaft lachen und bedachte die Akteure am Ende mit lang anhaltendem Applaus.

... Mit dem Stück Theresia Walsers hat sich das Schauspielensemble des Theater Katafalk kontroverse Kost ausgesucht. Rudolf Renner, Traudel Gerstlauer und Waltraut Balmer erschrecken durch ihre unglaubliche Hemmungslosigkeit und geben somit eine klasse Besetzung für "King Kongs Töchter" ab. Wie gut, dass man immer wieder über den pechschwarzen Humor lachen kann, ohne den die Thematik viel zu bedrückend wäre. Unterhaltsam sind ohne Frage die "Macken" der alten Herrschaften. Frau Albert etwa erkennt nicht einmal mehr ihren Ehemann, stellt aber immer aufs Neue bezeichnend fest: "Es ist schon wieder nach vier, schon wieder rollt einem Tag der Kopf herunter." Dann wäre da Frau Greti (schön nervig und penetrant: Bärbel Schwerdt), die jedem, ob er es nun wissen will oder nicht, die intimsten Details ihres Lebens preisgibt. Und zu guter Letzt Herrn Nübel – brillant verkörpert von Didier Schniegel ...

Gut besetzt und mit Hingabe gespielt bleibt der Inhalt des Stücks eine Frage des persönlichen Geschmacks. Für Freunde des schwarzen Humors ein Freudenfest; für andere vielleicht nicht.



Am 7. 5. 2007 im "Reutlinger General-Anzeiger"

Schöner Sterben


VON MICHAEL MERKLE
... Als siebte Produktion brachte das Amateurtheater Katafalk am Samstagabend ihr Stück »King Kongs Töchter« auf die Bühne -- trotz der Grundtendenz zur Komödie extrem schwere, unverdauliche Kost. Ein groteskes Werk, das letztlich nachdenklich und traurig macht. Das Publikum würdigte die ideenreiche Inszenierung von Bernd Köhler jedenfalls mit reichlich Applaus.

Keinerlei Illusionen mehr Die Altenpflegerinnen Carla (Traudel Gerstlauer) und Berta (Waltraud Balmer) und ihr Kollege Megg (Rudolf Renner) haben keine Illusionen mehr über ihren Beruf. Sie reden unwahrscheinlich abgeklärt über ihr Klientel, trinken zwischendurch harte Sachen. Megg wünscht sich »mehr Blut als Scheiße« und fragt sich später. ob das überhaupt ein Beruf ist.

Die drei Pflegekräfte sind Todesengel. »Der Tod ist ein Termin. Wir sind die Chefdisponentinnen.« Das Ableben wird als Spektakel inszeniert, die Todesszenen großer Stars werden schaurig-komisch nachgestellt. Der rabenschwarze Humor ist bitter wie der verabreichte Giftcocktail. Eine moralisch-ethische Gratwanderung.

Die Alten, die nicht sterben wollen, pendeln quasi in einer Endlosschleife zwischen einem unpersönlichen Essenssaal und ihren Zimmern: Herr Albert (Hans Rommel) und seine Frau Hilde (Gabriele Stillings), Herr Nübel (Didier Schniegel) und Herr Pott (Benn Kobler) sowie Greti (Bärbel Schwerdt) und Frau Tormann (Myriam Meyer).

Die eigene Suppe auslöffeln
Es wird geseufzt, gehustet, gemurmelt, gesabbert, gelabert. Die eine hat einen Sohn, der nur über Tonbänder mit ihr spricht, der andere seine Erinnerungen. lnkontinenz, verdrängte Sexualität, Schlaflosigkeit. Immerhin funktioniert das Prinzip Essen noch. Alle löffeln ihre Suppe aus. Hilde beschreibt das Leben mehrfach so: »Es ist schon wieder nach vier, schon wieder rollt einem Tag der Kopf runter.« Das Endspiel der Alten ist gelungen, die Überzeichnung macht es erträglich. Die doppelbödigen Dialoge werden gelebt. Alle Figuren sind Individuen geblieben, haben ihre Geschichte.

Alle wiederholen sich. Auch Weltenbummler Rolfi (Axel Kösters) kann das absurde Leben nur kurz auf den Kopf stellen. Immer wieder sind klasse schauspielerische Leistungen zu sehen. Die Nacht, auf die sich das Stück ausdehnt, sind im Theater drei lange Stunden, manche Sequenzen ziehen sich quälend. Das würdelose Warten wird spürbar. Gelungen ist die umgesetzte Idee, eine kleine Puppen-Bühne als Bühne auf der Bühne einzuführen. »Der Schlaf ist wie immer ohne Gewähr«, heißt es am Schluss. Jede Nacht ist ja aber eine Chance. Abkratzen mit Glamour.