Pressestimmen


Am 14. 2. 2005 im "Schwäbischen Tagblatt"

Bizarres aus dem kleinen Leben
Verrücktes Supermarkt-Stück des Theaters Katafalk hatte im Sudhaus Premiere


Die einen vergraben sich in ihren Büros, die anderen haben sich irgendwo am Rand eingerichtet. Aber einen Ort gibt es noch, an dem sie alle zusammen kommen -- Verrückte und Angepasste, Unscheinbare und Durchgeknallte -- es ist der Supermarkt. So mag es sich die Autorin Ingrid Lausund, Jahrgang 1965, bei ihrem Stück "Hysterikon" gedacht haben. Am Samstagabend war Premiere des Theaters Katafalk im Sudhaus.

So viele Typen mit einer Macke brauchen natürlich jemand, der ihre verqueren Geschichten zusammenhält. Beim Theater Katafalk ist es diesmal der Kassierer. Im weißen Kittel, mit Laptop oder Klemmbrett, scheint er unerbittlich das Leben seiner Kundschaft zu bilanzieren. Seelendoktor und Conférencier, Lebensregisseur und mahnender Gevatter Tod in einem? ...

Dabei kommt das Stück wie eine Revue daher. Eine Revue, die die alltäglichen Bizarrerien nur ein klein wenig auf die Spitze treibt. Die Begleitmusik jodelt dazu, aber nur ganz dezent. Gelegentlich bleibt einem das Lachen in der Kehle stecken. "Manchmal siehst du dich selbst drin", murmelt eine Besucherin ihrem Nebenmann zu. ...



Am 17. 2. 2005 im "Reutlinger Generalanzeiger"

Ein Supermarkt des Lebens


Der Supermarkt als Sinnbild für die Welt als solche, das ist das Thema von "Hysterikon". Das irgendwo zwischen Theater und Kabarett angesiedelte Stück von Ingrid Lausund hat nun Bernd Köhler mit dem Theater Katafalk inszeniert ...

Das Licht geht an, Jodelmusik dudelt und der Kassierer (Rudolf Renner) stimmt die Zuschauer auf die Welt der Konservenregale und Tiefkühltruhen ein. Er ist dabei so forsch selbstbewusst wie der Heizdecken-Anpreiser bei der Kaffeefahrt – und hat auch allen Grund dazu, denn er ist der liebe Gott in seinem Reich. In diesem gibt es neben Erbsen und Tomaten auch Träume und Identitäten zu kaufen, und abgerechnet wird nicht nur mit Geld, sondern auch mit Liebe, Gefühlen und Lebenspunkten ...

Da ist der Neurotiker (Axel Kösters), der sich immer wieder durch Schreckensnachrichten aus der Bahn werfen lässt; das Afro-Mädchen (Iris Nullmeier), das sich nicht entscheiden kann, welchen Jogurt es kaufen und was es sonst in seinem Leben anfangen will; das Yuppie-Pärchen (Didier Schniegel, Traudel Gerstlauer), das an gepflegter Langeweile zugrunde geht; der mörderische Moralist (Hans Rommel); der Pensionär, der so gerne ein Seemann wär (Benn Kobler) und die aufdringlich um ihre Mitmenschen besorgte Ökotante (Bärbel Schwerdt). Auf sie wartet zwischen Pizza und Wurst eine käufliche Dame in der Tiefkühltruhe (Gabriele Stillings) – und auch sonst hat diese Supermarktwelt die Eigenschaft, die Wünsche der Einkäufer nach außen zu kehren, was zu skurriler Situationskomik führt.

Die Typen werden von der Darstellern mit viel Liebe gezeichnet. Auf der fast leeren Bühne entfaltet sich so mit minimalen Requisiten ein humoristisches Panorama von Episoden, das immer wieder durch nachdenkliche oder melancholische Einwürfe in der Balance gehalten wird. Alles in allem ein unterhaltsamer Abend nicht nur für Supermarkt-Fans.