Das Stück


Komödien leben von Überraschungen, die - wenn sie eintreten - die Welt ins Chaos stürzen

Die Welt des jungen Bildhauers, Brindsley Miller, wird an einem Sonntagabend in seiner Londoner Wohnung in ein Chaos ungeahnten Ausmaßes gestürzt. Eben war seine Welt noch in Ordnung. Eben noch hat er mit seiner Verlobten Carol wirklich nur ganz wenige Möbel aus der Nachbarwohnung seines Freundes Harold "ausgeliehen". Eben noch ging es lediglich darum, dem bekannten Multimillionär und Kunstsammler George Godunow zu imponieren, der seinen Besuch für den Abend angekündigt hat. Eben noch ging es lediglich darum, zu ertragen, dass der Schwiegervater in spe ebenfalls auftauchen würde....

Doch es kommt anders. Ein plötzlicher Stromausfall macht alle Planung zunichte, bringt so manches ans Licht, was eben genau dort überhaupt nichts zu suchen hat. Die Dunkelheit raubt den anwesenden Personen nicht nur ihr Orientierungsvermögen und macht sie zu hilflos tapsenden Wesen, sondern verändert auch ihre Handlungsweise. In der Annahme, man würde nicht gesehen, tut man Dinge, derer man sich bei Licht schämen würde. In der Annahme, gewisse Personen seien nicht da, spricht man in unangemessener Weise über sie, während dieselben schon längst unbemerkt im Raum sind. Ja, es tauchen eine Menge Personen in der Dunkelheit auf, welche weder eingeladen, noch sehr willkommen sind:
Miss Furnival hat Angst davor, in der Dunkelheit alleine zu sein, und nistet sich bei Brindsley ein. Clea, die Geliebte Brindsleys, taucht auf und treibt ihr Spielchen mit den Anwesenden. Harold Gorringe wittert in der Dunkelheit seine Chance und rechnet mit Brindsley ab und Carols Vater demaskiert den angehenden Schwiegersohn. Der Elektriker Schupanski versteht die Welt nicht mehr, ob der Ehre, die ihm zunächst zuteil wird und Carol muss erfahren, dass nichts so ist wie es noch zu Beginn des Abends ausgesehen hat.

Und so mag es manchem der Beteiligten so ergehen wie Carols Vater, Colonel Melkett, der sehr treffend bemerkt: "Ich verstehe nichts von dem, was in diesem Raum vorgeht." Und manch einer vermag sich in Brindsley einfühlen, der in seiner Verzweiflung seine Verlobte auffordert: "Liebling, gib Harold um Gottes Willen einen Drink." Den scheinen in der Tat mehrere Personen an diesem Abend nötig zu haben.

Während den Menschen auf der Bühne nach und nach alles entgleitet, dessen sie sich so sicher wähnten, kann sich der Zuschauer getrost zurück lehnen: er kann sich auf den vollkommenen Genuss freuen - denn er hat das Vorrecht, die Dunkelheit zu "durchdringen".