Pressestimmen


Am 3.02.14 im Schwäbischen Tagblatt, Tübingen

Am Rande der Party
John von Düffels "Balkonszenen" mit dem Theater Katafalk


Die emotionalen Kleinkriege aus John von Düffels "Balkonszenen" hat sich das Theater Katafalk für seine aktuelle Inszenierung ausgesucht. Am Wochenende war Tübinger Doppelpremiere im Sudhaus.

DOROTHEE HERMANN

Tübingen. Gesprächsfetzen und Gläserklingen suggerierten ein rauschendes Fest, während auf der Bühne noch gar nichts zu sehen war. Auch durch die Räumlichkeiten, die Galerie Peripherie und den angrenzenden Saal, bezog die Inszenierung die Zuschauer ins Geschehen auf der Bühne ein. Die Darsteller, die sich unter die Menge gemischt hatten, konnte man als typische Zeitgenossen verstehen, wie man sie überall findet (Regie: Bernd Köhler). Allein zur Samstagabendvorstellung kamen knapp 100 Besucher/innen.

Auf der kühl designten Bühne mit den bunten Glühlämpchen als einzigen Farbakzenten wirkten die Zurückweisungen, Brüskierungen oder Zudringlichkeiten der Figuren umso drastischer (Bühne: Christian Oliver Ruoff). Abseits vom Festgetümmel brach dort hervor, was vor den Augen Dritter gewöhnlich verborgen wird - mit dem zusätzlichen Druck, dass jederzeit ein Beobachter auftauchen konnte.

Diese latente Kontrolle machte beispielsweise der eleganten Gastgeberin im silbernen Hosenanzug zu schaffen. Simone (Gabriele Stillings) ist so sehr in ihrer offiziösen Rolle erstarrt, dass sie sich eine lesbische Liebesbeziehung versagt, weil die ihre Position in der Welt jenseits der Party gefährden könnte. "Ich kann mir dich einfach nicht leisten", schleudert sie der zwischen Sehnsucht und Verzweiflung hin- und hergerissenen Alexandra (Waltraud Balmer) entgegen. Die wird ihrerseits von einem penetranten Fatzke (Axel Kösters) bedrängt. Zum Getränkeholen weggeschickt, kehrt er alsbald mit übel aussehenden Drinks zurück.

Während die penetrante Journalistin (Anja Vigenschow) Simones privaten Geheimnissen gefährlich nahe kommt, liefern sich Ruth (Tanja Möck) und Richard (Rudolf Renner) als eigentlich längst getrenntes Paar einen handgreiflichen Schlagabtausch.

Zwischen derartige Konfliktlinien drängt sich als Running Gag ein offensiv gut gelauntes, ewig tanzendes Paar (Bärbel Schwerdt, Hans Rommel), das alsbald wieder ins Festgetümmel (hinter den Kulissen) abtaucht. Auch für diese beiden kommt der Augenblick der Wahrheit, als sie unversehens allein auf dem Balkon sind. Sofort befinden sie sich in genau dem schmerzlichen Ungleichgewicht von Sehnsucht und Distanz, das fast alle dieser Partygäste plagt.

Info: Eine weitere Aufführung ist am Samstag, 12. April, 20 Uhr, im Quenstedt-Gymnasium, Mössingen.

Unterm Strich
Bitterböse Typenschau auf kühl designter, sozusagen emotional neutraler Bühne. Lässt wiedererkennbar heutige Sozialcharaktere gegeneinander antreten - bis zur Burleske überzeichnet, damit einem bei all den Gemeinheiten das Lachen nicht vergeht.